«Ruhig bleiben und Tempo herausnehmen»

GVL-Nationalspieler Elias Schreiber und der dänische Legends-Tour-Professional Anders Hansen gewinnen das Pro-Am in Bad Ragaz.

Das Swiss Seniors Open im Golf Club Bad Ragaz war 2018 eines der ersten Turniere der Legends Tour, das als Alliance-Pro-Am gespielt wurde. Bei diesem Format bilden jeweils ein Professional und ein Amateur ein Team; pro Loch zählt das bessere Nettoresultat (bei den Amateuren wird das Handicap für die Ermittlung des Scores miteinbezogen). Seit 2022 ermöglicht der Golfverband Liechtenstein (GVL) jeweils vier Mitgliedern des Nationalkaders die Teilnahme am Alliance-Pro-Am, damit sie im Rahmen eines offiziellen Turniers von den Besten der Welt lernen können. Die Professionals der Legends Tour sind alle über 50 Jahre alt und haben in ihrer langen Karriere grosse Erfolge gefeiert. Dem «Vaterland» verraten die GVL-Kadermitglieder, wie sie das Swiss Seniors Open 2025 erlebt haben.

Elias Schreiber ist aktuell Liechtensteins bester Amateurgolfer. Sechsmal in Folge hat er den Landesmeistertitel gewonnen und spielt regelmässig inter- nationale Turniere. Letzte Woche war er zum dritten Mal beim Swiss Seniors Open am Start. Der 28-Jährige ist Mitglied im Golf Club Bad Ragaz und spielte im Alliance-Pro-Am seinen Heimvorteil und seine Longhitter-Qualitäten aus. Im Team mit dem dänischen Professional Anders Hansen zündete Schreiber bereits am Freitag ein Birdie-Feuerwerk. Nach der Runde strahlte er: «Es macht sehr viel Spass, mit Anders zu spielen.»

Generell  beeindruckt ihn die Ruhe und Gelassenheit, die die Professionals ausstrahlen. Für den Top-Amateur mit Plus-Handicap ist ein solches Teamevent entspannter als die Teilnahme an einer nationalen Meisterschaft, bei der jeder seiner Schläge zählt. Aber: «Beim Swiss Seniors Open am Abschlag zu stehen und über die Lautsprecher den eigenen Namen zu hören, das ist ungewohnt. Und auch schön.» Nach zwei Runden stand fest: Der Sieg beim Alliance-Pro-Am 2025 geht an ein dänisch-liechtensteinisches Team. Dessen Erfolgsrezept? «Wir haben auf dem Platz viel gelacht», sagt Schreiber, der sich gezielt auf das Turnier vorbereitet hatte. «Ich war in den Tagen vor dem Turnier auf dem Platz, vor allem auf den Grüns. Das hat sich ausgezahlt – mein Putter war an beiden Tagen sehr heiss und ich habe einige Putts gelocht. Anders und ich haben uns auch gut ergänzt.»

Wenn der Professional neu ist …
Zum vierten Mal dabei war Cor­nelia Fassold-Gantner. Mit ihren früheren Teampartnern Steen Tinning und Gary Evans pflegt sie nach wie vor freundschaftlichen Kontakt. «Dieses Jahr war es etwas distanzierter, zumindest am ersten Tag.» Ihr diesjähriger Teampartner, der im Mai 50 Jahre alt gewordene Südafrikaner Darren Fichardt, brachte wohl weniger Alliance-Erfahrung mit als sie. «Am Freitag war er komplett auf sein eigenes Spiel konzentriert, am Samstag taute er auf und fand Zeit, um gute Schläge zu loben», erzählt sie lachend. Mit der Lockerheit kam auch der Erfolg: Amateurin und Pro spiel­ten in der zweiten Runde deutlich besser und stürmten in der Teamwertung auf Platz 5 vor.

Im gleichen Flight waren Nina Mathis und der Schotte Euan Mcintosh unterwegs. «Unsere Pros waren in der ersten Runde sehr mit sich selbst und ihrem Spiel beschäftigt», erzählte die GVL-Nationalspielerin bei ihrer zweiten Teilnahme am Alliance-Pro-Am lachend. Übel nahm sie ihrem Teampartner dieses Verhalten nicht: «Wir kennen das alle. Wenn man mit dem eigenen Spiel hadert, tut man sich schwer mit Konversation.» Sie nutzte die Zeit, um die Schön­heit der Golfanlage zu geniessen, denn die Blumenwiese mitten auf dem Platz und die blühenden Hortensien beim Clubhaus sowie bei Green 1 und 11 sind definitiv einen zweiten Blick wert. 
«Ausserdem ist der Platz erstklassig präpariert, es macht richtig viel Spass, hier zu spielen», sagte Mathis. «Im Gegensatz zum Rest des Jahres ist der First Cut dichter, was es  für mich persönlich deutlich schwieriger macht, den Ball kontrolliert herauszuspielen», fügte Fassold-Gantner an, die den Platz als Clubmitglied bestens kennt.

Vorfreude und Genuss auf dem Platz – so lässt sich die erste Teilnahme von Yannick Zurflüh am Alliance-Pro-Am kurz zusammenfassen. Er bildete ein Team mit Robert Coles, der im August 2024 seinen ersten Sieg auf der Legends Tour gefeiert hatte. Beim Swiss Seniors Open 2025 führte der Engländer nach zwei Tagen mit Zurflüh (!) das Feld der 60 Professionals an. «Es war definitiv eine tolle Erfahrung hier mitzuspielen. Der Platz ist super präpariert. So nah dran zu sein und zu spüren, mit welcher Ruhe und Routine die Pros an die Sache herangehen, ist beeindruckend.» Im Rah-men eines Tourevents habe er sich auf der Runde keine konkreten Tipps und Hilfe von seinem Teampartner erwartet, erklärte Zurflüh. Einen Tipp habe ihm Coles aber mitgegeben: «Ruhig bleiben und Tempo herausnehmen.»

Fabian Wachter als fünfter GVL-Spieler am Start
Mit Fabian Wachter war dieses Jahr ein fünftes Mitglied des aktuellen GVL-Nationalkaders beim Alliance-Pro-Am dabei. Anders als vor zwei Jahren stand Wachter heuer nicht im offiziellen GVL-Aufgebot. Dafür erwischte er mit Stephen Dodd den einzigen Major Champion im 60-köpfigen Feld als Teampartner. Der Waliser hatte 2021 bei der Senior Open Championship triumphiert und beeindruckt auch vier Jahre später noch Publikum und Mitspieler mit seinem Golfspiel. «Ich konnte mir bei Stephen definitiv etwas abschauen – näm­lich die Ruhe in seinem Spiel», sagte Wachter am Samstag. «Stephen strahlt bei der Schlägerwahl absolutes Vertrauen aus. Das ist gerade bei so windigen Bedingungen wie heute enorm wichtig. Er war sich immer zu 100 Prozent sicher, wenn er zum Schläger griff.» Das habe ihn sehr beeindruckt, und davon habe er etwas lernen können, sagte Wachter. Dodds Gefühl für den Wind und die äusseren Ein­flüsse auf das Spiel generell zeichne den Champion aus.

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