Bei den Europameisterschaften der jungen, aufstrebenden Golfnationen im Pravets Golf Club (Bulgarien) erreichen die Teams des Golfverband Liechtenstein jeweils den siebten Platz. Den Glanzpunkt setzte Isabel Laulhé in der Strokeplay-Runde zum Turnierauftakt: mit 3 unter Par gewann die GVL-Nationalspielerin den Damenbewerb.
Ein Jahr nach der Heim-Europameisterschaft, der European Team Shield Championships (ETSC) 2024 in Gams-Werdenberg, reiste die beiden Nationalteams des Golfverband Liechtenstein (GVL) vergangene Woche nach Bulgarien. Im Pravets Golf Club kämpften neun Damen-Teams und elf Herrenmannschaften um die Titel der besten Teams unter den jungen, aufstrebenden Golfnationen Europas. Die elfte Austragung dieses unter der Schirmherrschaft der European Golf Association EGA stehenden Veranstaltung fand bereits zum dritten Mal in Bulgarien statt.
Liechtenstein ist das kleinste Mitgliedsland der EGA, aber seit der ersten Austragung der ETSC ein fester Bestandteil des Turniers. Der GVL reist jeweils mit berechtigten Hoffnungen auf Flight A, oder mit dem notwendigen Quäntchen Glück sogar auf eine Medaille, zu den Turnieren. Der Turniermodus ist seit der ersten Austragung der gleiche: Vier Spielerinnen bzw. Spieler pro Nation und am ersten Tag eine Strokeplay-Runde (Qualifikation). Aufgrund der Strokeplay-Resultate – pro Team zählen drei Scores – werden die Nationen in Flight A (kämpfen um den Titel) und Flight B (spielen um die Ränge) eingeteilt. Die Viertel- und Halbfinals sowie das Finale werden im Matchplay-Modus (jeweils zwei Einzel und ein Doppel) ausgetragen.
Überragende Isabel Laulhé
Bei der Heim-Europameisterschaft vor einem Jahr war Ladies Captain Anna Eggenberger die überragende Spielerin des GVL-Nationalteams gewesen, das zu Hause das Ziel Flight A auch erreicht hatte. In Bulgarien konnte das Damen-Team nun auf die Verstärkung durch Liechtensteins derzeit beste Golferin zählen: Isabel Laulhé. Bei ihrer vierten Teilnahme an ETSC dominierte das GVL-Aushängeschild das Damenfeld: Mit 69 Schlägen (3 unter Par) spielte Isabel Laulhé die beste Strokeplay-Runde der Damen. Playing Captain Anna Eggenberger klassierte sich mit 73 Schlägen ebenfalls in den Top Ten. «Dass im Damenbewerb nur 5 Teams in den Flight A eingeteilt wurden, war etwas ernüchternd. Wenn man es in Flight A schafft, ist vieles möglich», sagt Eggenberger im Rückblick. Die Liechtensteinerinnen musste als Sechste nach dem Strokeplay allerdings in Flight B um die Klassierungen spielen. Dort besiegten die GVL-Damen erst die Kroatinnen, dann die Ukrainerinnen mit jeweils 2:1. Erst im abschliessenden Duell gegen Griechenland zogen die Liechtensteinerinnen den Kürzeren und mussten sich mit Rang 7 begnügen. «Klar hätte ich gegen Griechenland gerne einen Sieg errungen, aber viele der Spielerinnen, die bei den ETSC antreten, sind in einem College und spielen jeden Tag Golf», sagt Eggenberger. Die Liechtensteinerinnen aber haben mit Lisa Sele, Martina Zurflüh und Anna Eggenberger drei Spielerinnen im Team, die Vollzeit arbeiten, «da können wir mit den College-Golferinnen nicht mithalten».
Welchen Unterschied es macht, im College täglich Golf zu spielen, lässt sich am Beispiel von Isabel Laulhé bestens erkennen. Die 21-Jährige studiert an der New Mexico State University und spielt für deren Golfteam. «Isabel ist unser Star. Sie spielt unglaublich solide und wir sind super happy, sie im Team zu haben. Sie spielt auf einem anderen Level und hat das komplette Setup: Schwung, Mentale Stärke und Personality», schwärmt Eggenberger.
Die 21-Jährige selbst sieht den Hauptgrund für ihren Sieg im Strokeplay-Bewerb im Mentalen: «Ich blieb während der gesamten Runde geduldig und positiv, und alles schien zu funktionieren.» Ausserdem habe sie den Platz als «ziemlich kurz» empfunden im Vergleich zu den Plätzen, auf denen sie in den USA normalerweise spiele, sagt Laulhé. Auch wenn sie sich bei den ETSC immer wohl gefühlt habe, sei sie dieses Jahr «besonders aufgeregt» gewesen, «weil ich letztmals 2021 dabei gewesen bin und mir diese Teilnahme in Bulgarien geholfen hat, mein Spiel zu testen, bevor ich für meine nächste College-Saison in die USA zurückkehre», erklärte Isabel Laulhé kurz vor ihrer Abreise in die USA. Dort geht es Anfang September wieder los mit der nationalen College-Meisterschaft.
Herren im Halbfinale ohne Glück
Sebastain Schredt, Captain der Liechtensteiner Herren, zieht ebenfalls eine etwas durchzogene Bilanz: «Wir sind mit dem Ziel, im Strokeplay in die Top-8 zu kommen, nach Bulgarien gereist.» Insofern kann der Playing Captain zufrieden sein, das Minimalziel hat sein Team erreicht. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt, denn Schredt sagt: «Im Strokeplay wäre eine bessere Platzierung drin gewesen, aber wir wissen alle, wie Golf ist – am einen Tag ist das Momentum auf deiner Seite, am anderen eben nicht.» Nach Rang 8 in der Qualifikation bekamen es die Liechtensteiner im Viertelfinal mit den Gastgebern zu tun. «Sie haben ihren Heimvorteil genutzt, waren aber nicht so überlegen, wie die Matchplay-Resultate vermuten lassen.» Elias Schreibers Putter sei kalt geblieben und Yannick Zurflüh habe gut gekämpft, seine Chancen aber nicht nutzen können, so gingen die beiden Einzel deutlich verloren. Im Doppel holten Moritz Eidenbenz und Sebastian Schredt einen halben Punkt. Im Halbfinale lieferten sich die Liechtensteiner mit den Maltesern eine knappe Partie. Jede Nation gewann ein Einzel, das Doppel wurde erst auf dem 19. Loch entschieden: «Malta lochte einen Birdieputt aus 15 Metern», sagt Schredt schulterzuckend. Somit spielten die GVL-Herren am letzten Tag gegen Zypern um Platz 7 und sicherten sich diesen schliesslich mit 2:1.
Titel an Luxemburg und Griechenland
Die Titel holten sich in Pravets nicht allerdings weder die mit Heimvorteil gestarteten Teams des bulgarischen Golfverbands noch die Titelverteidigerinnen und Titelverteidiger aus der Türkei. Bei den Damen gewannen die Favoritinnen aus Luxemburg, die am letzten Tag die Titelverteidigerinnen bezwangen. Im Herrenbewerb sorgten die Griechen für eine kleine Überraschung: Sie schalteten im Halbfinale das Heimteam aus und besiegten im Finale Andorra mit 3:0.
Die 12. European Team Shield Championships 2026 werden in Malta stattfinden. Wie gewohnt in der Woche rund um den ersten August und mit liechtensteinischer Beteiligung.